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Machen Barefoots auf einem mehrtägigen Trek überhaupt Sinn? Nikola wollte es am eigenen Körper herausfinden – spontaner Trip nach Teneriffa, viel zu schwerer Rucksack und Überraschungen, mit denen sie nicht gerechnet hat.
Was passiert, wenn du dich im November spontan entscheidest, für einen 100-Kilometer-Marsch loszufliegen? Kommst du wirklich ohne Genehmigung auf den höchsten Gipfel Teneriffas, den Pico del Teide? Und ist es überhaupt eine gute Idee, dafür Barefoots anzuziehen?

In den letzten Jahren gehört Wandern – auf unseren Hügeln genauso wie in größeren Bergen – zu meinen liebsten Beschäftigungen. Aus irgendeinem Grund kommt mir das Sich-Quälen an irgendeinem steilen Hang mit Aussicht (und vor allem) Essen als perfekt investierte Zeit vor. Manchmal denke ich, ich könnte einen Urlaub auch mal anders verbringen, als irgendwohin zu laufen. Vielleicht könnte ich einfach in einem Resort herumliegen und mich nach einer halben Stunde auf der Liege umdrehen. Das Problem ist nur: Essen – egal ob aus dem Rucksack oder teuer mit „Höhenzuschlag“ gekauft – schmeckt einfach am besten, nachdem man ein paarmal gefühlt klinisch tot war.
Mit dieser Philosophie und einer Urlaubswoche, die unbedingt genommen werden musste, bin ich eher zufällig auf dem GR 131 auf Teneriffa gelandet. Ich habe mich auf den Aufstieg auf den höchsten Berg Spaniens gefreut, auf Paella, sonniges Wetter und nette Leute. Am Ende kam aber alles ein bisschen anders…

Auf Teneriffa kann man das ganze Jahr über reisen, aber während unseres Winters sind die Bedingungen hier ideal zum Wandern. Temperaturen knapp über 20 Grad – und damit auch weniger Wasser, das man auf dem Rücken mitschleppen muss.
Wenn du dieselbe Kombination an „Spleens“ hast wie ich – die Liebe zu Bergen und die Liebe zu Barefoots –, stößt du früher oder später auf das Problem, welche Schuhe man in den Bergen tragen soll, wenn doch alle immer wieder sagen, dass man dafür einen festen Schuh braucht.
Als ich für den GR 131 gepackt habe, habe ich mir gesagt: Ich nehme sie einfach mit. Die Vorstellung, in einem festen Schuh zu laufen, hat mich nämlich wirklich abgeschreckt. Versteh mich nicht falsch: Ich habe in den letzten 15 Jahren verschiedene feste Markenschuhe ausprobiert – und bei allen hatte ich früher oder später Blasen. Nach der Durchquerung der Niederen Tatra habe ich so ein Paar sogar am Ende des Treks neben den Mülltonnen stehen lassen.
Das „Casting“ für meine Outdoor-Schuhe haben SALTIC OUTDOOR FLAT gewonnen. Von den sportlicheren Barfußschuh-Varianten, die unser Markt bietet, waren sie für mich am bequemsten. Von früheren Touren wusste ich außerdem, dass sie nirgends drücken, dank des großen Geröllschutzes robust sind und auch einen kleinen Regenschauer aushalten. Ich bin damit auf Tagesausflüge gegangen und es war immer entspannt. Diesmal war es das erste Mal, dass ich wusste: Es wartet ordentlich Höhenmeter und ungefähr 100 Kilometer auf mich.
Die Temperaturen reichen hier von richtig sommerlich bis tatsächlich winterlich. Je näher du dem höchsten Berg Spaniens kommst, desto niedriger wird die Temperatur – und sie fällt auch unter den Gefrierpunkt. Also musst du auch Dinge einpacken, die auf den ersten Blick unsinnig wirken… zum Beispiel Handschuhe. Kleidungstechnisch packe ich deshalb alles ein – von Shorts bis Daunenjacke.
Camping wird hier außerhalb des Nationalparks toleriert, also packe ich Zelt, Isomatte und Schlafsack ein. Kocher und Essen für ein paar Tage dürfen nicht fehlen. Außerdem ist es eine Insel mit Wassermangel – also stelle ich mich mental darauf ein, mehr Wasser auf dem Rücken zu tragen. Natürlich dürfen Trekkingstöcke, Erste-Hilfe-Set und Feuchttücher nicht fehlen. Insgesamt komme ich auf 12 kg.

Nach der Landung fahre ich in den Norden der Insel und checke im günstigsten Hostel ein. Leider heißt „günstig“ hier trotzdem 800 Kč. Den ganzen nächsten Vormittag suche ich nach einer Gaskartusche. Ich fahre mit dem lokalen ÖPNV durch die ganze Stadt, und als ich mich schon damit abfinde, wie Reese Witherspoon im Film „Wild“ unterwegs zu sein, schickt mich ein Verkäufer bei Decathlon noch in den Laden Merlin – dort haben sie tatsächlich Kartuschen. Zu meinem Glück im Unglück aber nur die 500-g-Variante. In meinen Rucksack passt jetzt nicht mal mehr ein Papiertaschentuch extra, und ich fahre mit dem Bus zum Start der Route.
Ich habe beschlossen, in La Esperanza zu starten – du kannst aber auch in Arona losgehen oder die Route nach Belieben verlängern. Als ich endlich mit großem Tamtam loslaufe, ist es schon nach Mittag. Voller Vorfreude schwitze ich mich in den ersten Anstieg – und werde unschön vom Gewicht des Rucksacks überrascht. Kaum bin ich im Wald, treffe ich drei Leute, danach niemanden mehr. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt, dass hier mehr los ist. Sorgen macht mir der Wind… die Äste biegen sich, und ich suche vergeblich nach einem Platz, an dem man ein Zelt aufstellen könnte. Gerettet werde ich – wie schon unzählige Male – von mapy.cz. Ich finde einen Unterstand und steuere ihn an.

Eine Sache habe ich dir noch nicht verraten. Dieser Trip war für mich eine Herausforderung. Nicht, weil ich allein unterwegs war, sondern weil ich beschlossen hatte, allein draußen zu schlafen. Jahrelang hat mich das abgeschreckt und ausgebremst. Jetzt hatte ich irgendwie das Gefühl: Es ist Zeit, diesen Bann zu brechen.
Als ich am Unterstand ankomme, sind dort zwei Jungs. Was meinst du: Woher kommen sie? Genau – aus der Heimat. Ohne Folter gestehe ich: Ich bin ziemlich froh darüber – auch wegen des Dachs, das der Unterstand hat. Meine Mutprobe verschiebe ich auf die nächste Nacht. Am Morgen ist vom Wind keine Spur mehr, wir verabschieden uns und gehen jeder in die entgegengesetzte Richtung. Mein Ziel für heute ist Wasser, 20 km entfernt.

Den ganzen Tag gehe ich durch den Wald. Zuerst steige ich 800 Höhenmeter auf, um sie danach wieder komplett abzusteigen. In den Saltics läuft es sich richtig gut. Ab und zu zeigt sich schon der Teide, aber er ist noch ein gutes Stück entfernt. Ich treffe wieder nur ein paar Leute und genieße die Zeit im Wald. Als ich beim Wasser ankomme, wird es schon dunkel. Schnell baue ich das Zelt auf und koche Abendessen. Paradoxerweise fühle ich mich ein Stück weg vom Unterstand sicherer, wo mich niemand sieht. Gegen sieben Uhr abends lege ich mich hin – und es warten ungefähr zwölf Stunden in meinem sargförmigen Zelt auf mich. Der Wald macht mir eigentlich keine Angst – und die anderen Ängste drücke ich mit Gewalt weg. Was bleibt mir in der Situation auch anderes übrig? Natürlich wache ich bei jedem verdächtigen Geräusch auf = bei jedem Geräusch, zum Glück bin ich aber müde, und so schlafe ich für die Umstände relativ gut.
Am dritten Tag laufe ich – ganz stolz, dass ich überlebt habe – weiter. Der Weg geht erst relativ eben, dann kommt ein endloser Anstieg. Als ich an einem Restaurant an der Grenze des Nationalparks ankomme, stärke ich mich mit Steak und Dessert. Ich habe ein Dilemma, wie es weitergehen soll… Am Ende entscheide ich mich auf Empfehlung eines Freundes weiterzugehen, obwohl ich weiß, dass Camping dort verboten ist. Mein Ziel ist die Höhle Montana Blanca.
Die Kulisse verwandelt sich hier in eine fast mondähnliche Landschaft, und wieder ist fast niemand unterwegs. Ich denke mir, im Notunterstand wird bestimmt jemand sein. War aber niemand. Ich komme schon fast im Dunkeln an, suche den Platz eine Weile – er ist ziemlich versteckt und ehrlich gesagt… ziemlich gruselig. Ruhiger macht es mich auch nicht, zwei Silhouetten zu sehen, die irgendwo oberhalb von mir in den Bergen herumrennen. Ich baue kein Zelt auf, weil ich hier nicht mal eine einzige Spinne finde. Es ist windig und ziemlich kalt. Heute bin ich froh über meinen Daunenschlafsack. Mit dem Plan, um zwei Uhr aufzustehen und um drei zum Sonnenaufgang auf den Teide loszugehen, lege ich mich schlafen. Also zumindest versuche ich es – aber der Schlaf kommt nicht, und ich stoße auf ein seltsames Problem: Es ist unglaublich still. So still, dass ich höre, wie sich ein Haar in meiner Kapuze bewegt und wie mein Herz klopft. Ich schlafe immer wieder kurz ein und wache wieder auf, um zwei Uhr setze ich mich wie ein Zombie hin und koche mir Porridge.

Noch bevor ich losgehe, höre ich Schritte und Stimmen anderer Ungeduldiger. Nach der halb durchwachten Nacht mobilisiere ich alle Kräfte und starte auch. Der Anstieg ist zunächst moderat. Es ist zwar dunkel, aber der Mond und unzählige Sterne leuchten uns den Weg. Ich muss sagen: Das hatte etwas Magisches. Aus meinen Gedanken reißen mich Parkranger. Nach den „weisen“ Tipps aus dem Internet, dass zum Sonnenaufgang niemand Genehmigungen kontrolliert, habe ich mich um die Erlaubnis nicht besonders gekümmert. Tja – wird doch kontrolliert. Ein junger Spanier lässt mich auf der Website registrieren, und ich denke, damit ist es erledigt. Aber er kontrolliert bei allen auch die Ausrüstung. Ich habe alles, was ihm einfällt… bis er auf meine Schuhe schaut. Ich ahne, dass er nicht gerade jubeln wird. Dass er mir aber sagt, dass er mich wegen ihnen nicht nach oben lässt, damit habe ich nicht gerechnet. Ich stehe da, als hätte mir jemand einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf gekippt! Ich versuche alles – von der rationalen Schiene („Ich kann in diesen Schuhen laufen“) bis zu Dackelblick – aber nichts funktioniert. Auch wenn ich den Tränen nah bin: Die bekommt er nicht zu sehen.

Mir wird kalt, weil ich dort schon eine Weile herumstehe, also bleibt mir nichts anderes übrig, als einen Alternativplan zu basteln. Ich muss ein Stück zurück und dann wieder auf den GR 131 treffen. Auf dem Weg nach unten begegne ich Leuten, die nach oben gehen, und mein Herz hämmert vor Wut. Ich halte kurz an und schaue nach oben. Ich liebe es, den Sternenhimmel zu beobachten, und beschließe, wenigstens diesen unerwarteten Nacht-Ausflug zu genießen. Ich marschiere und marschiere, mir ist ständig kalt, aber ich habe nichts mehr, was ich noch anziehen könnte. Nach zwölf Kilometern komme ich an einem Besucherzentrum an, wo es auch ein Restaurant und ein Hotel gibt. In Gedanken hoffe ich auf Kaffee und Frühstück – es ist fast acht, und die Sonne zeigt sich langsam. Ich gehe zur Hoteltür rein, werde aber sofort wieder rausgeschickt: Sie kochen nur für Hotelgäste. Das macht mich richtig wütend. Statt Eiern gibt’s dann als zweites Frühstück heute einen Flapjack. Draußen wärme ich mit klammen Fingern ein Wärmekissen auf und buche eine Unterkunft im 13 km entfernten Vilaflor. Ich werfe die Route in die Karte und gehe die kürzeste Strecke – wie sollte es anders sein: bergauf.

Zum Glück fängt die Sonne an zu wärmen. Als ich mein Handy an die Powerbank anschließe, stelle ich fest, dass es überhaupt nicht lädt. Der Akku zeigt 15 %, und ich nehme die Kopfhörer aus den Ohren. Mir wird klar: Hätte mich der Ranger auf den Teide-Gipfel gelassen, hätte das bedeutet, dass ich noch eine Nacht irgendwo draußen verbringen müsste – und ohne Handy. Vielleicht ist es also wirklich so gekommen, wie es am besten war. Da ahne ich noch nicht, welchen Weg ich eingeschlagen habe. Als ich die Route schnell gesucht habe, ist mir nicht aufgefallen, dass ein Abschnitt nur gestrichelt eingezeichnet ist – also unmarkiert. Es ist ein steiniger Weg bergab, ohne Markierungen, nur manchmal ein ausgetretener Pfad… und manchmal gar nichts. Ich hole ständig das Handy raus, um zu checken, ob ich noch in die richtige Richtung gehe. Als ich wieder auf die Hauptstraße komme, bin ich erleichtert. Die letzte Herausforderung sind steinerne Stufen beim Abstieg nach Vilaflor. Da protestieren meine müden Füße schon ordentlich, und die dünne Sohle der Schuhe macht es nicht gerade angenehmer – aber es reicht, an die Blase über die ganze Ferse auf dem Weg nach Santiago zu denken, und schon läuft es sich wieder besser. Ich denke, das reicht für heute. Kaum komme ich in der Unterkunft an, gibt mein Handy endgültig den Geist auf. Müde und hungrig gehe ich in die erste Kneipe, um endlich richtig zu essen.
Am letzten Tag warten nur noch 18 km bis Arona. Die Route führt zuerst durch den Wald, wo ich niemandem begegne. Danach geht es hinunter zur Küste, und ich genieße die schönen Ausblicke. Von dort komme ich mit dem Bus nach Los Christianos, dort habe ich für zwei Nächte ein Airbnb. Vor dem Rückflug will ich mich noch ausruhen und ein bisschen Sonne tanken.

Ich bin zufrieden angekommen – ohne Blasen und mit allen Zehennägeln. Die Schuhe sehen – nach gründlichem Reinigen – fast wie neu aus. Damit ich aber nicht nur lobe: An den letzten zwei Trekkingtagen ging es viel über Steine, und mit der dünnen Sohle war das manchmal nervig. Abmildern lässt sich das, indem du eine Einlegesohle in den Schuh legst (die gibt’s beim Hersteller). Dadurch wird der Schuh stabiler. Das Obermaterial ist nach all den Kilometern unversehrt geblieben.
Rückblickend – ein paar Monate später und mit mehr Erfahrung aus weiteren Touren – würde ich weniger Kleidung einpacken: Zwei Hosen reichen, und Socken auch. Das Zelt, das wie ein Sarg aussieht, würde ich nicht empfehlen. Es ist unglaublich unpraktisch – man kann nicht mal darin sitzen, geschweige denn sich umziehen. Außerdem sieht man auf den ersten Blick, dass im Zelt nur eine Person ist. Meine wachsamen Sinne beim Draußenschlafen habe ich gelernt auszutricksen – mit Ohrstöpseln und Schlafmaske. Probier’s aus, es ist großartig! Keine Sorge: Eine Motorsäge würdest du trotzdem ganz sicher hören.
Und was ist mit den anderen Dingen, die ich geplant hatte? Was Paella angeht: Ich war in unzähligen Restaurants – aber für eine Person wollte sie mir niemand machen. Und was Leute betrifft: Mich hat überrascht, wie leer der ganze Trail war, also nehme ich keine neue Freundschaft mit. Mitnehme ich aber jede Menge Erlebnisse, eine bestandene Mutprobe und einen verbrannten Hintern. Na sag selbst: So ein Abenteuer erlebst du in einer Hotelanlage nicht.
Wenn du mehr sachliche Infos zur Teneriffa-Durchquerung lesen möchtest, hier ist ein Artikel.

Autorin des Artikels und der Fotos ist Nikola Cejnarová – Krankenschwester mit einer Liebe fürs Reisen, die Berge und Kaffee. Du findest sie entweder irgendwo am Berg oder auf Instagram.

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