Gehen, Bewegung und Gesundheit
Entdecke Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei Hallux valgus (Ballenzeh). Lerne wirksame Strategien, um Schmerzen zu lindern und die Fußgesundheit zu verbessern.
„Ich habe Halluxe.“ Ja – die haben wir alle. Aber in welchem Zustand? Fast jede erwachsene Person kennt die Diagnose Hallux valgus. Eine Diagnose, die nicht nur unter Laien und in Zeitschriften, sondern auch unter Fachleuten ständig fällt. Der große Zeh ist der wichtigste Zeh am Fuß. Er dient nicht nur der Stabilisierung des Fußes und dem Gleichgewicht des ganzen Körpers, sondern vor allem dem Abstoß beim Gehen. In diesem Artikel erfährst du alles, was du über diese Fehlstellung wissen solltest.

Inhalt des Artikels:
Die Diagnose Hallux valgus ist eine der häufigsten orthopädischen Deformitäten, die nicht nur in orthopädischen Praxen, sondern auch bei Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Podologinnen und Podologen … und sogar beim Team in den naBOSo-Shops regelmäßig vorkommt.
Ein Ballenzeh betrifft nicht nur den großen Zeh selbst, wie man vielleicht fälschlicherweise denkt. Es handelt sich um eine komplexe, fortschreitende statische Deformität des Vorfußes: Dabei rotiert der erste Mittelfußknochen nach innen, weicht nach außen von den übrigen Knochen ab, das proximale (körpernähere / näher am Sprunggelenk) Zehenglied des großen Zehs weicht nach innen ab und der gesamte Zeh kann zusätzlich auf die Außenkante rotieren.
Außerdem kommt es zu Veränderungen auf muskulärer Ebene. Die Flexoren (Beuger) und Extensoren (Strecker) des großen Zehs verschieben sich lateral (mehr in Richtung der anderen Zehen) und verkürzen sich mit der Zeit.

Im Bereich des Köpfchens des ersten Metatarsale (erster Mittelfußknochen) bildet sich der sogenannte Bunion, eine knöcherne Exostose (Knochenauswuchs). An dieser Stelle laufen häufig auch entzündliche Prozesse ab, die schmerzhaft sein können; die Haut am Gelenk ist gerötet, oft auch warm.
In der Regel zeigen sich dort auch arthrotische Veränderungen und in manchen Fällen Osteophyten (knöcherne Auswüchse direkt im Gelenk). Beide Probleme können langfristig weitere Komplikationen verursachen, etwa Hallux limitus oder rigidus (eingeschränkte Beweglichkeit des großen Zehs bzw. vollständige Steifigkeit).
Das Grundgelenk des großen Zehs ist der Punkt, an dem zwei Fußgewölbe aufeinandertreffen – das Längs- und das Quergewölbe. Ohne eine gute Abstützung dieses Gelenks am Untergrund fehlen uns auch stabile „Pfeiler“ für die Fußgewölbe. Nur selten tritt Hallux valgus allein auf. In den meisten Fällen finden sich weitere Begleitprobleme wie ein abgesenktes Quergewölbe, Deformitäten der anderen Zehen oder eine pathologische Stellung des Rückfußes.
Der Gesamtzustand des Vorfußes beeinflusst auch die Druckverteilung. In den allermeisten Fällen wird bei Hallux valgus das Grundgelenk des großen Zehs entlastet, manchmal verliert es die Abstützung sogar vollständig. Der Druck verlagert sich dann unter die Köpfchen der übrigen Mittelfußknochen – dort entstehen sehr häufig Druckstellen bis hin zu Verhornungen, auch Hühneraugen treten auf, und die Stelle ist oft schmerzhaft.

Die physiologische Stellung des großen Zehs wird laut Literatur zwischen neun Grad Valgus- und Varusstellung (Abweichung nach innen bzw. nach außen) eingeordnet. Die Gelenkflächen sind nicht perfekt eben, sondern leicht gerundet – dadurch ist die Bewegung in Valgus und Varus relativ leicht und sogar physiologisch. Es gibt Bewegungen, bei denen diese Abweichungen völlig natürlich sind; ohne sie könnten wir nicht funktionieren.
Neben der Stellung der Strukturen zueinander interessieren uns die Muskelfunktion und der Bewegungsumfang. Die Muskulatur sollte ausreichend kräftig sein und die Beweglichkeit „genau richtig“. Weder Hypermobilität noch eingeschränkte Bewegung sind wünschenswert. Für das Gehen gilt eine Dorsalflexion des großen Zehs (Anheben des großen Zehs) von mindestens 30 Grad als physiologisch. Fehlt dieser Aspekt, sucht sich der Fuß Ersatzbewegungsmuster, die zu Deformitäten beitragen können.

Eine pathologische Stellung und eine unzureichende Funktion des großen Zehs wirken sich auf den ganzen Körper aus – und umgekehrt beeinflusst die Stellung der Körpersegmente die Stellung von Fuß und großem Zeh.
„Meine Oma hatte das, meine Mutter auch, und meine Schwester hat es ebenfalls. Ich habe es noch nicht, aber ich habe Angst, dass ich es erbe.“ Ja – diesen Satz höre ich in der Praxis oft, in vielen Varianten. Genetik spielt nicht nur bei dieser Diagnose eine sehr wichtige Rolle.
Es ist nicht so, dass man Hallux valgus direkt vererbt – vererbt wird die Veranlagung zur Fehlstellung. Genetisch bedingt sind Form und Größe der Knochen, also auch der Gelenkflächen. Auch die Qualität des Bindegewebes und der Weichteile kann beeinflusst sein.

Zu diesen Faktoren, die wir nur minimal beeinflussen können, gehört auch der Befund eines sogenannten Morton-Fußes, bei dem der erste Mittelfußknochen kürzer ist als der zweite. Dadurch verändert sich die Biomechanik des Fußes: Es fehlt eine stabile Abstützung über das Großzehengrundgelenk, und der Abstoß erfolgt häufig nicht über den großen Zeh, sondern über den zweiten Zeh.
Als Kompensation zeigen sich oft eine nach außen gedrehte Fußspitze sowie Druckstellen oder Verhornungen im Bereich des Großzehenköpfchens an der Außenseite.
Dann gibt es direkte Einflüsse – ungeeignetes Schuhwerk, aber auch Socken. Diese beiden Aspekte sind nicht der primäre Grund für die Entstehung der Deformität, sollten aber keinesfalls unterschätzt werden.

Nicht zuletzt dürfen wir indirekte Einflüsse nicht vergessen – dazu zählen zum Beispiel ein abgesenktes Längsgewölbe, die Stellung des Vorfußes, metabolische und rheumatische Erkrankungen. Auch traumatische Veränderungen gehören dazu.
Konservative Therapie ist nicht immer ganzheitlich ausgerichtet. Oft bleibt die Behandlung nur beim Fuß (ab dem Sprunggelenk abwärts), in schwierigeren Fällen wird sogar nur der Bereich des großen Zehs behandelt. Die Therapie richtet sich nach dem Gesamtzustand und dem Grad der Deformität sowie nach der Art der Beschwerden der jeweiligen Person. Wie du bereits erfahren hast, handelt es sich um ein umfangreiches Problem ohne Sofortlösung.

Übungen sollten auf die gesamte untere Extremität ausgerichtet sein. Zum Einsatz kommen Weichteil- und Mobilisationstechniken für den Vorfuß, aber auch für den restlichen Fuß.

Man kann passive Korrektoren verwenden, die aus weichem Silikon gefertigt sind. Manche Podologinnen und Podologen fertigen Korrektoren direkt nach Maß an. Diese Korrektoren lassen sich auch beim Gehen nutzen.
Es gibt auch Nachtschienen, die jedoch schmerzhaft und unbequem sein können und nur für Zeiten ohne Belastung gedacht sind. Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren auch Adjustierungssocken, die zur Entspannung getragen werden und helfen können, den Vorfuß – und auch den ganzen Fuß – zu lockern.
Kinesiotapes helfen dabei, den großen Zeh in einer zentrierteren Position zu halten – auch beim Gehen. Inzwischen gibt es auf dem Markt auch Socken aus einem speziellen Material, die eine ähnliche Funktion wie Tapes haben. Sie sind bei ausgewählten Podologinnen und Podologen erhältlich.

Nicht zuletzt können orthopädische Einlagen helfen, die direkt für den jeweiligen Fuß individuell angepasst werden. Über Einlagen kannst du dir auch den PODCAST: Bc. Edita Prošková: Einlagen und weitere kompensatorische Hilfsmittel anhören.
Mit einer individuell angefertigten Einlage ist eine Schuheinlage gemeint, die nach den Proportionen deines Fußes ausgewählt und anschließend direkt unter deinem Fuß weiter angepasst wird. Korrekturen folgen bestimmten Prinzipien – und nur sehr selten kommt es vor, dass beide Einlagen identisch korrigiert werden.

Auch operative Maßnahmen haben hier ihren Platz – vor jedem Eingriff ist es jedoch sinnvoll, eine gut und gezielt geführte Rehabilitation zu absolvieren. Insgesamt sind mehr als 100 verschiedene operative Vorgehensweisen beschrieben. Die vier häufigsten Verfahren sind: Eingriffe an den Weichteilen, Osteotomien, resezierende Gelenkplastiken und Arthrodesen.
Ziel der Operationen ist es, den großen Zeh in eine möglichst gute Position für Abstützung und Dynamik zu bringen. Ein weiteres Ziel ist die Schmerzlinderung und die Möglichkeit, „in Schuhe hineinzupassen“. Nach der Operation sollte in jedem Fall eine Rekonvaleszenz unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten erfolgen.
In vielen Fällen kommt es jedoch leider zu einem Rückfall, weil der operative Ansatz die Ursache der Probleme nicht behebt – und häufig wird nicht einmal eine Rehabilitation empfohlen.

Prävention ist sehr wichtig. Wie bei allem. Was kannst du für deine Füße tun? An erster Stelle steht eine präventive Untersuchung bei einer Podologin oder einem Podologen. Dort werden deine Füße untersucht, und du bekommst Hinweise auf Schwachstellen, an denen ihr anschließend gemeinsam arbeiten könnt.
Ein großartiger Helfer sind die bereits erwähnten Adjustierungssocken. Das sind Socken mit Zehenzwischenraum-Röllchen. Nach dem Anziehen kommt es zur Entspannung der Weichteile in den Zehenzwischenräumen, am Spann, aber auch im restlichen Fuß.
Sie helfen bei unterschiedlichsten Fußschmerzen – von Fersenschmerzen über Beschwerden im Fußgewölbe bis hin zu den Zehen selbst. Aber Achtung: Sie sind zur Entspannung gedacht, nicht zum Gehen.
Geeignetes Schuhwerk ist ein wesentlicher Bestandteil der Prävention vieler Deformitäten. Schuhe sollten die Form deines Fußes nachzeichnen. Sie sollten ausreichend lang und breit sein. Am Spann und an der Ferse sollten sie perfekt sitzen. Manche kommen mit einer höheren Sohle besser zurecht, andere mit einer dünneren. Grundsätzlich sollte die Sohle in alle Richtungen ausreichend flexibel sein – auch torsionsfähig.
In ausgewählten Fällen ist eine festere Sohle sinnvoller – das sollte bei konkreten Situationen mit einer Fachperson besprochen werden. Schuhe sollten keinen Drop und keinen Absatz haben. Vergiss auch die Socken nicht: Zu enge, kompressive oder von der Form her ungeeignete Socken tun deinen Füßen ebenfalls keinen Gefallen.
Bleib aktiv. Geh so oft wie möglich barfuß auf abwechslungsreichem Untergrund. „Härtet“ eure Fußsohlen ab – nicht nur im Sinne von Temperaturen, sondern auch in Bezug auf Reize. Am Anfang kann manchen sogar Gras unangenehm sein. Mit der Zeit gewöhnt sich der Fuß daran, und du kannst Gras gegen Kiesel, Sand oder Steinchen tauschen. Du kannst Toe-Yoga üben, die Fußsohlen selbst massieren … oder dir eine Massage gönnen.
Vergiss auch die regelmäßige Fußpflege nicht: Hornhaut abtragen, Haut hydratisieren, Nägel pflegen.

Wenn du dir beim Zustand deiner Füße nicht sicher bist, scheue dich nicht, dich an Fachleute zu wenden. Auch Prävention ist wichtig – und oft hätte ein rechtzeitiger Besuch eine Verschlechterung verhindern können. Denn wenn man Pathologien zu weit fortschreiten lässt, können strukturelle Veränderungen bereits irreversibel sein.
Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Bc. Edita Prošková, die sich mit erworbenen und angeborenen Fußfehlstellungen bei Kindern und Erwachsenen beschäftigt. Mithilfe von Übungen und podologischen Hilfsmitteln hilft sie dabei, gestörte Fußfunktionen zu verbessern – die wiederum den gesamten Bewegungsapparat beeinflussen.
Edita Prošková – Physiotherapeutin, Podologin auf Facebook und Instagram

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